Am 02. Januar wird Geburtstag gefeiert

Rückblick und Ausblick auf 50 Jahre Sport

218 Veranstaltungen und Jahresserien hat er als „Chef“ schon organisiert.
260.000 Sportler waren bei „seinen“ Veranstaltungen bisher am Start. 

Nimmt man die verschiedenen Serien hinzu, werden es 400.000 Sportler sein, welche bisher unter seiner Obhut Sport getrieben haben. Seine Sportler sind begeistert von „seinen“ Events.
Der Mann der dieses bisher geleistet hat, heißt Hans-Joachim Weidner und wohnt im südbrandenburger Örtchen Hohenbocka, nur wenige Meter von der Landesgrenze zu Sachen entfernt. 1958 geboren, wird er am 02. Januar 2018 nun 60 Jahre jung.

Seine erstes Radrennen fuhr er mit 9 Jahren (1966) in Schipkau. 
Seine erste Veranstaltung organisierte er am 23.12.1978. Es war ein Lauf von Sonnenaufgang, um 08.09 Uhr bis Sonnenuntergang, um 15.47 Uhr mit 24 Teilnehmern. 2018 sind es nun 40 Jahre freizeitliche Hingabe für den Sport, insbesondere den Breitensport geworden.

Die Art der Veranstaltungen, wie diese organisiert sind, mit 10 bis 40 Strecken in bis zu 7 Disziplinen, sind wahrscheinlich einmalig im Sport in Deutschland und Europa.

So eine sportliche Vielfalt, gepaart mit Erfolg, wie der Hallen-Marathon, der Schneeglöckchen-Lauf, Spreewald-Marathon, Lausitz-Marathon, Lausitzer Seenland 100 und die Panoramatour in der Sächsischen Schweiz sind kaum zu übertreffen. Nur reine Läufe oder Radrennen organisieren können viele, aber an so etwas traut sich kaum jemand heran. Es ist mit viel Arbeit verbunden.

Es sind alles tolle Veranstaltungen und auf Grund der Qualität von einer außerordentlichen touristischen Fernwirkung. An Teilnehmern und Innovationen wäre noch weit mehr drin, wenn sich die jeweiligen Startorte zu mehr Unterstützung durchringen könnten. Da ist es unverständlich, dass es immer noch Städte und Institutionen gibt, die vom Tourismus reden und davon Leben, in Ihrer Handeln aber eher hinderlich für solche Veranstaltungen sind. So gibt es mit dem Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg seit Jahren immer wieder Probleme, die nicht gewünscht sind. Man nimmt den übernachtenden zahlenden Sportlern gern in seiner Region auf, aber dafür eine Gegenleistung erbringen tut man nicht oder ist dazu nicht bereit. So lässt man die Veranstalter oftmals allein mit seinen organisatorischen und finanziellen Aufwendungen.
Dies ist das große Dilemma in der Entwicklung fast aller breitensportlich angelegten Events in Deutschland. Ein eigenständiges Erkennen und Ändern dieser Sachlage Seitens der Politik wäre hier sehr wünschenswert.
Wo bleibt hier die Wertschätzung für diese geleistete Arbeit?

In den letzten 15 Jahren mehren sich die „Anfeindungen“ gegen Sportveranstaltungen dieser Art.
Da wird 2008 eine Verordnung vom Bundestag beschlossen mit dem Titel “ Gesetz gegen die übermäßige Nutzung von Kreis-, Landes- und Bundesstraßen durch Sportveranstaltungen.“
Wie kann man nur so etwa beschließen?

Es gibt verkehrsrechtliche Anordnungen, da müssen die Verkehrsschilder am Tag zusätzlich beleuchtet werden oder es werden hunderte Genehmigungen von Waldbesitzern gefordert, obwohl man gar nicht durch deren Wald läuft. Da wird jedes zusätzlich angeordnete Verkehrsschild durch einen Ordner bewacht, damit es nicht verschoben oder gestohlen wird. Am 27. Dezember gab es die Anfrage vom Ordnungsamt in Straupitz/Spreewald, bezüglich dem Spreewald-Marathon: „Wie kommen wir dazu Sie zu unterstützen?“ Da fehlen auch Sportfreund Weidner als Gesamtleiter der größten Brandenburger Sportveranstaltung (2017 = 12.200 Teilnehmer), dem Spreewald-Marathon die Worte.
Solche Schildbürgereien sind mittlerweile an der Tagesordnung.

War es richtig soviel Freizeit in das Freizeitvergnügen von anderen zu investieren?

Früher wollte ich gern Olympiasieger werden. Daraus ist nichts geworden. So habe ich mich um die Organisation des Sports für andere bemüht. Die Anerkennung für die geleistete Arbeit war für mich immer der Motor um den immensen Arbeitsaufwandes immer und immer wieder zu leisten. Ich hätte auch nie gedacht, dass der Spreewald-Marathon einmal über 12.000 Sportler am Start hat. Und es sind noch mehr möglich, wenn zum Beispiel das Ordnungsamt nicht die Teilnehmer beim Radeln begrenzen würde.
Diese Arbeit, die Gespräche und Telefonate mit den Sportlern und Helfern macht mir immens viel Spaß. Es sind nur einzelne „Beamte“ die leider ihre Serviceaufgabe nicht verstanden haben und somit Nerven und Zeit rauben.

Was ist nun anders als bei der Zeit ohne Computer, also seit 1989 mit dem Ende der DDR?

Wenn es um den Sport ging wurde zu DDR-Zeiten alles möglich gemacht. Da hat der Tagebauleiter schnell einmal die Laufwege und Straßen planieren lassen und an engagierte Helfern gab es nie ein Mangel. Auch konnte man mit Zug und Bus jeden Ort erreichen. Im Ziel gab es keine Bananen oder ISO-Getränke, dafür aber Tee, Haferschleim und Blaubeersuppe. Damals wie heute hat den Sportlern das Sporttreiben Spaß gemacht. Nur heute sind ein Vielfaches mehr an Teilnehmern am Start. Früher ist man schneller unterwegs gewesen. Es gab Wettbewerbe, da durfte man mit einer Zeit von 40 min. auf 10 km nicht mehr starten. Heute passiert es, dass man wie beim Spreewald-Marathon unter tausend 10 km-Läufern, mit solch einer Zeit Gesamtsieger werden kann. Durchschnittlich läuft der heutige Breitensportler 1 Minute je Kilometer langsamer als noch vor 25 Jahren. Diese Entwicklung finde ich gut so, somit ist Doping bei unseren Veranstaltungen kein Thema.

Eine zeitraubende Last sind die täglich bis zu 400 eintreffenden E-Mails.

Es ist bequem eine Mail zu schreiben. Wir wünschen uns auch viele Informationen von unseren Sportlern, um hier und da noch besser zu werden. Trotzdem, zum Tagesende ist es schon fast frustrierend, wenn man oftmals nur einen Bruchteil davon abarbeiten konnte. Das Telefon gibt auch keine Ruhe. Somit können wir nicht alles leisten. Wir haben auch noch andere Arbeit.

Was wünscht Du Dir noch?

Ich habe genaue Vorstellungen von der perfekten Sportveranstaltung. So könnte der Spreewald-Marathon auch 20.000 Sportler vertragen. Dies gelingt aber nur mit der Schaffung von wunderschönen Emotionen, vor, während und nach der Veranstaltung, am Start und am Ziel. Um dies aber umzusetzen, wird Geld benötigt. Welches die eigentlichen Profiteure, der Tourismus nicht bereit ist zu geben bzw. nicht gewillt ist sich auch nur annähernd an den Kosten so eines Events zu beteiligen. Chancen sehe ich noch einige.

Nach 40 Jahren Wirken in der Eventorganisation ist ein Ende abzusehen.
Was folgt wenn sich Sportfreund Weidner aus der Organisation zurückzieht?

Oh, das Alter spürt man schon täglich. Es bleibt zuwenig Zeit für den eigenen Sport. Es wird höchste Zeit kürzer zu treten. Was bleibt sind Erinnerungen an wirklich tolle Sportveranstaltungen und an treuen Sportlern. Soviel Arbeit darf man keinem Nachfolger (welcher nicht in Sicht ist) aufbürden. Dies wäre unanständig. Die viele Arbeit ist künftig nur durch ein größeres hauptamtliches Team zu leisten, also auch zu bezahlen und dazu ist die Politik und die Krankenkassen nicht bereit und wie lange wir dies noch Leisten können, dies wird sich zeigen. Erst einmal planen wir bis 2022. Alle Events wird es nicht auf ewig geben können. Es wäre nur Schade darum, denn die Lausitz kann keinen weiteren Rückschritt im kulturell-sportlichen Leben gebrauchen.

Was er verschwiegen hat.

Auch Achim Weidner (seine Freunde sagen Hansi) hatte früher einmal flinke Beine. Zuerst bei der BSG Chemie Annahütte, dann beim SC Cottbus. In der Sektion Radsport hat er die Entwicklung der goldenen Ära um Heßlich, Thoms, Drogan, Hartnick, Winkler und Salzwedel hautnah als Trainigskamerad miterlebt. Bei 233 Radrennen ist er gestartet. Später dann wurde das Laufen seine Leidenschaft. Bis zu seinem Achillessehnenriss und einer unglücklichen Knie-Operation war er zwischen 1978 und 1998 in der Lausitz läuferisch kaum zu bezwingen. So gewann er den 1. Werner Seelenbinder Gedenklauf 1977 in Gröden, den 1. Elsterlauf in Bad Liebenwerda (1978) und den 1. Lauf „Rund um den Senftenberger See“ (1978). Alles Läufe, welche heute noch Bestand haben. Im Stundenpaarlauf hat er es 5 x über mehr als 20 km geschafft. Am liebsten ist ihm aber sein 6. Platz über 45 km zu Beginn seiner Läuferkarriere beim Rennsteiglauf 1979. Sein stärktes Laufjahr war 1987 mit Platz 4 in der DDR-Rangliste und seine 15 km Bestzeit von 48:05 min stammt auch aus diesem Jahr.

 

Gefragt und zusammengetragen von Roland Strahl